Kinder Reha Usedom 4 wochen auf der Insel von Veronika Oberpriller

Kinder-Reha Usedom – Vier Wochen auf der Insel von Veronika Oberpriller
Am 02.04. war es so weit. Wir machten uns mit der Bahn auf den langen Weg nach Usedom.
Da wir nach der Abendessenzeit ankamen, wartete im weißen Salon (einer Art Cafeteria) ein kaltes Buffet auf uns. Wir hatten zu viert 2 Zimmer, die nur durch eine Verbindungstür getrennt waren. Für uns war in den Zimmern mehr als genug Platz für alle Klamotten, Spielzeug etc.
Am nächsten Tag bekamen wir eine Führung durchs Haus und die Kinder durften sich ihre Gruppen im Kindergarten ansehen. Nachmittags stand dann der 1. Termin an: Begrüßungskaffee für die Erwachsenen. Die Kinder waren derweil im Kindergarten gut aufgehoben. Meine beiden Großen haben sich dort von Anfang an sehr wohl gefühlt und mein Jüngster (1 Jahr) ging dort auch bald sehr gerne hin, was vor allem an den lieben Erzieherinnen lag, die sich mit dem Kleinen sehr viel Mühe gaben.
Am Freitag 04.04. hatten wir dann unser 1. Arztgespräch. Dort wurde besprochen, welche Probleme unsere Tochter derzeit wegen ihrer Krankheit hat und was wir alles in der Reha erreichen wollen. Auch ein 1. Gespräch mit der Diätassistentin fand statt. Nachmittags wurden die Therapiepläne für die nächste Woche ausgegeben.
Am Montag 07.04. ging es dann richtig los. Wir hatten in den folgenden 3 Wochen volles Programm – was aber von mir auch so gewollt war. Ich selber wollte an möglichst vielen für mich interessanten Schulungen teilnehmen (z.B. PKU-Seminar, Seminar über Geschwisterbeziehungen, Gesprächsrunde „Das chronisch kranke Kind“ etc.) und das Sportangebot vor Ort nutzen (joggen / walken, Fitnessgymnastik, Ergometer). Für mich brachte der Aufenthalt außerdem ein großes Maß an Erholung mit sich: keine Hausarbeit, bekocht werden (und das in meinen Augen sehr gut!), ich nahm am autogenen Training teil und erkundete die schöne Umgebung.
Unsere Tochter – ein sehr aktives Mädchen – bekam viel Sport verordnet (Strandsport, schwimmen, Ballspiele im Freien, turnen in der Halle), erlernte aber auch Entspannungsübungen und ging regelmäßig zur Physiotherapie. Auch hatte sie mehrere Gespräche mit dem zuständigen Psychologen, um abzuklären, wo es Probleme gäbe und uns Eltern Hilfestellungen zur Bewältigung zu geben. 2x die Woche wurde Blut abgenommen und die Eiweißzufuhr (kontrolliert) gesteigert. Wir hatten am Ende eine deutlich höhere (ca. 30%!) Toleranz ermittelt, so dass unsere Tochter nun auch mehr „normale“ Lebensmittel zu sich nehmen darf.
Was mir ganz wichtig war, waren ihre Schulungen zu ihrer Krankheit, Diätführung etc. – die mit einer kleinen Gruppe Gleichaltriger statt fanden und bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Was ich ganz toll fand, war, dass auch ihr 4 Jahre alte Bruder – der sonst aufgrund ihrer Erkrankung doch öfters im Hintergrund steht – Anwendungen bekam, obwohl er „nur“ als Begleitkind dabei war. Er hatte z.B. mit mir zusammen Wassergymnastik, was ihm – endlich mal alleine mit der Mama – großen Spaß gemacht hat.
Die Wochenenden verbrachten wir mit Ausflügen (geht prima mit der Usedomer Bäder-Bahn) oder vom Haus angebotenen Aktivitäten (z.B. Puppentheater, Ostereier-suchen, Musikangebot). Außerdem kann man in der Klinik Fahrräder ausleihen, Minigolf spielen oder sich natürlich am Strand aufhalten.
Die letzten paar Tage unseres Aufenthalts waren ruhiger, erwähnenswert sind noch das Abschlussgespräch (was wurde erreicht?, wie soll es daheim weitergehen?) und der Abschluss-Kaffee.
Für uns hat sich der Aufenthalt auf Usedom sehr gelohnt. Unsere Tochter ist nach dem Aufenthalt trotz ihres jungen Alters definitiv selbständiger in der Diätführung geworden. Sie hat ein viel besseres Gefühl dafür, was sie in welchen Mengen essen darf und was nicht und kann auch den Überblick über die tägliche Eiweißmenge grob alleine behalten. Außerdem wurde ihr bewusst, wie wichtig die Diät ist und sie ist sehr motiviert, sich auch daheim im Alltag daran zu halten. In der Gruppe mit anderen Kindern mit Stoffwechselerkrankungen hat sie es genossen, mal nicht die einzige zu sein, die beim Essen Einschränkungen hat. Die Aminosäure wurde oft gemeinsam eingenommen, teilweise gab es auch ein Wetttrinken. Auch die Sitzungen beim Psychologen und der Physiotherapeutin haben große Fortschritte gebracht.
Obwohl für uns die Anreise sehr weit ist (ca. 12h Anfahrtszeit), werden wir deshalb wieder dorthin fahren, sobald wir es genehmigt bekommen!